Die Vorgeschichte:

Mein Freund Udo sammelt nur Viertakter. Ich hatte damals noch keinen 1er Führerschein. Deshalb wurden wir uns schnell handelseinig. Es gab auch gar nicht viel zu überlegen. Die Quickly war vollständig und zudem noch recht gut erhalten. Das sie erst 4700 Kilometer auf dem noch funktionierenden Tacho hatte, und außerdem sogar noch ein Versicherungskennzeichen von 1958 angebracht war, markierte Sie zum "Schnäppchenkauf". Eines Abends holte ich sie ab, und brachte Sie zu mir nach Hause. Das ist durchaus wörtlich gemeint. Zwar fuhr ich schon eine ganze weile Kreidler Florett, welche gerade mal 2 Jahre jünger war als ich selber (also Baujahr 1963), aber der Oldtimerbazillus hatte mich noch nicht so schlimm erwischt wie heute, und es war mein erstes Restaurationsobjekt. Deshalb wurde im Wohnzimmer meiner damaligen "Junggesellenbude" restauriert.  Gleich neben der Drehmaschine. "Nicht mehr laufen-Quickly kaufen!" hieß es so schön in den Werbebroschüren der 50er Jahre.  

Die ganze Geschichte:

Die nötigen Arbeiten beschränkten sich auf einige wenige Wochen. Zuerst wurde das "Maschinchen" gereinigt, dann wurde, soviel wie ging, abgeschraubt und in die Technik reingeschaut. Allmählich "verstand" ich was ich da hatte. Immerhin, draufsetzen und losfahren verbot mir meine Vernunft und Neugier. Als erstes wurde das Getriebeöl gewechselt. Dann wurde das angebröselte Zündkabel ausgetauscht, und da der Zünder schon mal ab war auch gleich der Unterbrecherkontakt mit Schmiergelleinen abgezogen und geglättet. Der Bremsbowdenzug vorn wurde aus Sicherheitsgründen ausgetauscht. Die Bremsbeläge erst mal gereinigt, die Trommel auch, und alles wieder zusammengeschraubt. Der Tank war leer und trocken, dafür aber innen sehr rostig: Er wurde nach alter Sitte gereinigt: Bleigewichte vom Reifenauswuchten rein, und durchgeschüttelt, bis beim ausspülen nur noch sauberes Wasser rauskam. Danach mittels Fön schnell den Tank innen trocknen, damit es nicht wieder rostet. Ein neuer Spritschlauch, eine Zündkerze und ein neuer Benzinhahn waren die einzigen Investitionen. Die Auspuffflöte wurde auf dem Balkon meiner 9 stöckigen Hochhauswohnung mittels Gasbrenner ausgebrannt. Ich hatte Angst, die Feuerwehr käme angerückt,  so hat's gequalmt. Die rotglühende Flöte, die gar nicht mehr aufhörte zu stänkern und qualmen, wurde deshalb ins Klo geschmissen und dann wurde abgezogen. Das hätte ich besser lassen sollen, zum Glück war das Bad gekachelt. Ich bin dann erst mal eine Stunde spazieren gegangen, die Wohnung sah aus wie nach einem Gasangriff. Aber über solche Anfängerfehler lacht man heute, ich war damals gerade mal 20 Jahre jung, und noch mitten im Kreidler Florett Fieber, die ich nun schon seit einiger Zeit (neben dem Auto) fuhr. Am Beinschild wurde schon vor langer Zeit ein kleiner Riss geschweißt, jetzt nach etlichen Jahren, nachdem die Stelle fast schon wieder rostete, wurde lackiert. Ein Mercedesgrün ( L56) passte exakt. So wurden noch einige kleine Stellen überlackiert (ausgetupft), aber nur Kleinigkeiten, im Grunde wurde die NSU im Originalzustand (der schon sehr gut war) erhalten. Diese Art der Patinaschicht hat Sie noch heute, 15 Jahre später. Der Vergaser wurde mit Bremsenreiniger nach der Komplettzerlegung gereinigt, und schon war die Quickly eigentlich fertig. Leider hatte ich keinerlei Papiere, ein Typschild am Motor war das einzige offizielle Dokument aus dem immerhin das Baujahr 1956 und  die Motornummer hervorging. Also wurde die Auskunft angerufen, und die Telefonnummer der Firma NSU in Nekarsulm erfragt. Oh Wunder, es gab sogar eine Telefonnummer. Als ich dort anrief, und mein Anliegen schilderte, sagte man mir " das macht jetzt Volkswagen in Wolfsburg" und eine neue Telefonnummer gab's auch gleich dazu. Der Mann in Wolfsburg war sehr nett ("Abteilung Kundenbetreuung"), ich solle eine Bescheinigung beschaffen, das meine Quickly nicht geklaut wäre, und einer Wiederzulassung aus technischer Sicht nichts im Wege stehe. Dies alles bekäme man in Flensburg. Ich habe mir auf einer Polizeistation einfach das gleiche -formlos- ausfertigen lassen, der Beamte hatte wohl einen guten Tag. Der Brief ging ab nach Wolfsburg, und schon 6 Wochen später hielt ich meine Quickly-Fahrzeugschein-Zweitschrift in den Händen. Damit ging's zum Versicherungsvertreter, um ein Nummernschild, genauer ein Versicherungskennzeichen, zu kaufen. Gesagt-getan, Nummernschild drangeschraubt, und nun kommt etwas, was mich noch heute in Erstaunen versetzte: Aufgrund der langen Standzeit rechnete ich mit Startproblemen. Doch weit gefehlt! Keine 5 Meter gestrampelt und sie lief! Ein Zahnputzbecher (ich Weich-Ei hab mir dann einen neuen gekauft :-) frisches Benzin aus der Florett reichte bis zur Tanke -damals gab es noch 1:25 am Mischautomaten- , dort wurde erst mal "Vollgetankt". Ganze 3,5 Liter. Die 56er Modelle haben nämlich noch den kleinen Tank.

Er-Fahr-ungen:

Noch heute springt das kleine Motörchen immer wieder super an, 2 bis 3 Kicks (mit Choke- und Dekompressionshebel muss man allerdings umgehen können) und schon ist Sie "da". Das fahren mit einer mittlerweile 48 Jahre alten NSU-Quickly ist jedes Mal ein kleines Abenteuer; nicht das Sie unzuverlässig wäre, -Sie ist sogar ausgesprochen zuverlässig-, aber man lernt eine Unmenge Leute mit ihr kennen. Fast entsteht mir der Eindruck, jeder, oder fast jeder, hätte in den 50er Jahren eine gehabt. Wenn dann der Typ, der draufsitzt (also ich, meist stilecht mit Römer-Halbschale), noch dazu jünger (relativ zur Quickly, genaugenommen sind es 5 Jahre) ist, dann ist es schon provokativ und die Leute trauen sich was: "Junge, weißt Du überhaupt was Du da fährst?" "Mensch guck mal da!" "Wo hamsen die her?" Und oft natürlich das obligatorische: "So eine hatte ich auch mal". Meist denke dann: Selbst dran Schuld; hättet Ihr sie nicht, als der Ruf durch die Strassen hallte :"Ahl Lumpe, ahl Eise" mit spitzen Fingern vor die Tür gestellt, hättet ihr Sie evtl. sogar noch. Bei diesen Gelegenheiten und Gesprächen konnte ich mir sogar noch das ein und andere Ersatzteil sichern. Das wurden im Laufe der Zeit soviel, das ich eine 2. Quickly komplett aus "geschnorrten" Ersatzteilen aufbauen konnte. Diese wurde gewinnbringend verkauft. Meine bekam dafür nach und nach neue Bremsbeläge, eine Luftpumpe, eine Reparaturanleitung (als Faxsimle), der original Werkzeugsatz kam dazu, und noch so einige andere Dinge: Räder, Motoren Kupplungsscheiben, ein Seitenständer etc. Der Seitenständer ist sehr zu empfehlen, das wackelige serienmäßige Drahtgestell, welches die Funktion eines Hauptständers übernehmen soll, ist mit den 33 Kilo eines Quickly schon fast überfordert. Die Bremsen wurden jedoch auch mit den neuen Belägen nicht besser, und lassen die geringe Verkehrsdichte der späten 50 Jahre nur erahnen. Das 56er Modell "N" verfügt ja nur über die Halbnabenbremsen. Einiges wurde auf der Veterama erstanden. Irgendwann wurde der original 9er Vergaser gegen einen anderen aufgefeilten ersetzt, welcher nun fast 12 mm Durchlass hat. Damit läuft Sie bei angepasster Düsenbestückung fast 60Km/h. Die Kupplung hat jedoch mit solch einer "geballten Leistung" ihre liebe Not und dreht bei Vollgas gerne durch. Der 3-Gangmotor soll angeblich eine verstärkte Kupplung haben, solch einer wäre mir noch eine Investition wert. Leider ist das Fahren mit meiner NSU mittlerweile zu teuer geworden: Man fährt ja nur immer mal "ab und zu um die vier Ecken", (habe ja noch 4 andere Motorräder) und dafür jedes Mal ein Nummernschild kaufen ist mir zu teuer. Selbst wenn ich Sie erst im Mai oder Juni anmelde, muss ich Sie ja immer für den Rest des (Moped-) Versicherungsjahres angemeldet lassen. Da ich keine andere 50er Maschine besitze, ist ein Wechselkennzeichen auch nicht die Lösung, zumal ich ja auch kein Händler bin und deshalb auch keines bekommen kann. So halte ich Sie in Ehren, Sie hat ihren festen, trockenen Platz in meiner Garage, und wird nur hin und wieder zum putzen rausgeholt. Wie hieß einer der zahlreichen NSU Werbesprüchen? -Wohl dem, der eine Quickly hat!-

Anektode zum Thema Zuverlässigkeit: 

1993 war ich mit Familie im Urlaub im Schwarzwald. Bei einem Spaziergang, entdeckte ich an einem Sägewerk eine Quickly. Natürlich wurde diese "be-aug-apfelt". Auf einmal kam der etwas ältere Besitzer raus. Schnell kam man ins Gespräch: Ja, seine Quickly hätte er 1960 vom Lehrgeld gekauft. Seitdem würde er jeden Tag zur Arbeit damit fahren, auch im Winter. 7 Kilometer hin- und abends wieder zurück. Der Kilometerzähler wäre allerdings vor etlichen Jahren kaputtgegangen. Sonst wäre alles in Ordnung. Kleine Rechnung dazu: Ein Arbeitsjahr, mit Urlaub, Krank und Feiertagen ca. 220Tage, mal 2X7 Kilometer X33 Jahre=101.640 Kilometer. Sicher kam zu glauben, aber zutrauen würde ich's einer Quickly schon.

Sonstnochwas: Wer kennt Quickly-Fahrer im Raum Oberursel?  

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