Freiheit ist immer die Freiheit der andersdenkenden
-Rosa Luxemburg-


neulich, irgendwo auf Cypern. Völlig verfranzt, 
und den kyrillischen Wegweisern nicht mächtig.

Warum ich keine sogenannte normale Moppeds fahren möchte:

Das ich diesen Text auf meiner Homepage untergebracht habe, war mir wichtig. Meine Meinung über normale Moppeds wollte ich mal erklären, schließlich ist die Homepage ja auch was ganz persönliches von mir. Zunächst muss ich jedoch was anderes loswerden: Das ich MZ fahre, ein DDR Nationalitätskennzeichen auf meiner Emme hatte, ja, dass auf einer Seite sogar die DDR Nationalhymne erklingt, hat nix mit modernen Zeitgeist, oder den ewig gestrigen Ansichten: "Früher war alles besser, etc." zu tun. Schon gar nicht die Verklärung eines totalitären Regimes, in dem auf mündige, kritische Staatsbürger geschossen wurde wie auf Reh und Hirsch. Davon möchte ich mich ausdrücklich distanzieren. Jedoch: Es war nicht alles schlecht, was von dort kam. Nicht nur die Moppeds. Vielleicht hat es was mit Ostalgie zu tun. Elsterglanz, Fettbemme, Kittifix, Ketwurst und nicht erst seit "Goodbye Lenin" Spreewaldgurken. Ich kann es nicht so genau erklären. Für mich hatte die DDR schon immer etwas mystisches. Als ich die ersten Kontakte Ende der 70er Jahre mit Motorensammlern knüpfte, und einiges aus dem täglichen Leben dort erfuhr, stieg das Interesse noch mal. Die Emme gehörte schon immer dazu (im Neckermannkatalog entdeckt, ein Motorrad mit eckigen Zylinder..), und ich finde, wie viele andere Emmentreiber auch, sie ist einfach ein gutes Mopped "Made in Germany". Der ein oder andere, der mich schon wegen meines DDR Aufklebers ansprach, gab mir da recht, obwohl schon Verwechslungen mit völlig falsch verstandenen Nationalstolz vorkamen.

Nun aber zu den "normalen" Moppeds:

Hin und wieder fragen so genannte "Biker" (ich bin Motorradfahrer :-) :
"Wieso fährst Du Vespa/Quickly?" "Weshalb eigentlich eine Enfield?" Oder: "Warum nur MZ?"
Meist folgt dann darauf: "Willst Du dir nicht mal was gescheites kaufen?"
Oft denke ich dann: Was meinen die damit? Wer von uns fährt eigentlich was „gescheites“ und wer nicht? Welche Instanz legt das fest?

Warum werden perfekte Maschinen lediglich bewundert, unvollkommene hingegen heiß und innig geliebt? Sollte vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit in der Behauptung stecken, das Motorräder Charakter und Seele haben?

Der Mensch, und im besonderen einer, welcher auf "nur" 2 (oder auch mal 3) Rädern unterwegs ist, sucht offensichtlich im Bewusstsein seiner eigenen Unvollkommenheit ein Stück Technik, das im gleichen Maße Fehler und Macken hat wie er selbst. Erst dann wird das Bike/Roller zum Partner, zum Freund. 
Beispiel Enfield: Sieht älter aus, als Sie eigentlich ist. Hat ihre ganz eigenen "Macken".
Beispiel MZ: Altmodisch, unkompliziert, aber absolut zuverlässig.
Beispiel Vespa: Nix für Hektiker. Oft belächelt, aber irgendwie sympathisch.
Vielleicht wie ich?
Wenn man jedoch nur auf Äußerlichkeiten achtet und vergleicht, müsste ich aber eigentlich ein XXL-Mopped fahren, eine Goldwing z.B.
Das bin ich gerade am ausprobieren. Zwei/Dreirädriges Antidepressiva ist angesagt.
...
Aber es ist nicht nur das.
Ich finde klassische Optik einer Enfield/Vespa/MZ/Quickly absolut Spitze. Die übrigen Vorteile: zuverlässig, gut zu reparieren, preisgünstig, (nicht: billig!) haben dazu geführt, daß mir seit 1999 (das Jahr, in dem ich endlich meinen 1er Führerschein nachgeholt habe) nie der Wunsch nach einem anderen Mopped aufkam. Na ja, wenn ich als Rentner mal viel Zeit zum Schrauben habe, ein Dnepr- Yangtse- oder Ural-Gespann. Aber NIEMALS einen dieser uniformierten Einheits-Reiskocher! Hab's mit einer 750er "Z" Kawa GT versucht, der Funke sprang nicht über. Genauso wenig wie bei einer Harley-Davidson. Gute (?) Moppeds evtl., aber nix für mich. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 90-110 km/h komme ich klar, bei uns ist auf den Landstrassen sehr viel mehr ohnehin kaum drin. Dosenbahnen langweilen mich. Und mit meiner alten "Römer-Halbschale" wird’s über 100km/h doch recht ungemütlich.

Oft werden Emmen-, Vespen- oder Enfield-Treiber von Reiskocherfahrern belächelt, weil z.B. die alten Zonenfeilen gemessen an dem heutigen Stand der Technik nicht in allen Punkten mithalten können, oder die Form einer Vespa die Aerodynamik eines Scheunentores hat. Eine Enfield ist schon von weitem als unmodernes Motorrad zu erkennen. Nicht uptodate ist auch eine Goldwing mit "nur" 4 Zylindern. Die hat nach meiner pers. Rechnung allerdings schon 3 Zylinder zuviel, und trotzdem nach offiziellen, zeitgenössischen Berechnungen 2 zu wenig) Von der NSU ganz zu schweigen. Das ist in etwa die gleiche Argumentation, mit der ein CD-Fan mit einer 500W-Anlage für teures Geld sich über einen Schallplattensammler lustig macht, weil der alte Plattenspieler nicht so laut ist wie seine Anlage und außerdem die alte original Neil Young (um von meinem Musikgeschmack wenigstens einen zu nennen) -Schallplatte mit dem Sound einer biergefluteten Hammond B4 beim Abspielen etwas kratzt.  

Gemeinsam ist beiden nur, dass sie Musik hören, und ihren Spaß daran haben, beide verstehen aber etwas anderes darunter, und benutzen unterschiedliche Medien. Mit einer von meinen Moppeds, gemütlich über die Landstrasse tuckern, dabei den Wind unter dem Halbschalenhelm spüren - das ist für mich Motorradfahren. Hohe Beschleunigung und Endgeschwindigkeit würden dieses schöne Gefühl nur unterdrücken. 

Da gibt's ein paar Dinge die ich noch loswerden muß:
1.
-Vielleicht bin ich einfach nur gerne aus Protest mit "altmodischen Moppeds" unterwegs
in diesen Zeiten, in denen die Lebensdauer eines Fahrzeuges nicht durch die Qualität der Technik (oder gar behutsamer Umgang mit Resourcen, insbesondere bei der Herstellung) bestimmt wird, sondern durch die Aktualisierung von Gesetzen, Steuerbescheiden, Ökostufen, CO2 & Feinstaubdiskussionen sowie von Lärm- und Abgaswerten oder gar die sinnlose Verträglichkeit der Beimischung von "Gemüsesuppe" (Ethanol) in Kraftstoff: Anbau, Abbau, Düngen, Transportkosten, Mehrverbrauch (und damit verbunden natürlich CO2 Ausstoß) unter dem Deckmantel des Umweltgedankens. Weiterhin: So genannte "moderne" Alu-Motoren eines bekannten Herstellers rosten, bzw. platzen bei kalten Temperaturen. Das alles soll gut und modern sein? -Na klar! Für die Autolobby! Den Rest macht dann die Obsoleszens.
2.
-Wenn man wie ich, beruflich viel mit High-Tech zu tun hat, ist man manchmal einfach nur froh, mit "sowas" rumzufahren.
3. 
-Der Gebrauch des Wortes "Kraftfahrtechnisches Kulturgut" möchte ich in diesem Zusammenhang vorsichtig benutzen. Kultur ist doch eigentlich etwas anderes, und dieser Begriff wird schon genug strapaziert. 
4. 
-Meine GL ist keine Jappanerin, sondern eine
Stahmer GL 1100, die in Deutschland, und nicht (nur) in USA oder gar Japan gebaut wurde. Naja, Teile davon. Für mich ein echter "Globalplayer", dazu der Beiwagen aus Schweden, der Rahmen aus Holland. Übrigens (gehört nicht hierher): Globalisierung ist für mich, wenn der letzte Mensch auf diesem Planeten satt wird und sauberes Trinkwasser hat.
5. 
-Stichtag 1.2.2009: Sieh an, wie recht ich habe: Nach nur 9 Jahren ist ein Auto ganz offiziell ein "Wrack" doch dessen Besitzer sieht's womöglich nicht ein, Konsumverweigerer zu sein. Klar, das man da mit 2500Tois Abwrackprämie nachhelfen muss. Die Ökobilanz eines frischproduzierten Neuwagens interessiert sowieso keinen.
6.
-Ganz alleine bin ich mit meiner Meinung zumindest über die Emmen scheinbar nicht: guxtu

 

Wer A sagt muss nicht B sagen, wenn er erkennt das A falsch ist.
-Bertholt Brecht-

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