[Zugriffszähler] Stand: 08.01.11

Dornröschen on the Road again! 
(nach 33 Jahren Dornröschenschlaf wachgeküsst:-)

Seit dem 21.10.2005 bin ich (ein bisschen stolzer-) Besitzer einer ETS 250. Das ETS-Eisenschwein ist sicher eine der begehrtesten MZs. Die für MZ Verhältnisse untypische geringe Stückzahl (Lt. Flensburg gibts nur noch 201 von ehemals irgendwas um die 16.000) und das eigenwillige Design sind wohl die Gründe. 
Sicher, es gibt schönere Moppeds, aber so eine hat mir noch gefehlt. Auf dieser Seite soll so was wie ein Restaurationsbericht sein, wie ich es mit der
Solo-ETZ auch gemacht habe. 

So fing es an
Zufälligerweise las ich im Forum von einer ETS250 welche evtl. zu verkaufen wäre. Da die Solo-ETZ schon über ein Jahr lang fertig restauriert war, herrschte etwas Langeweile in der Garage. Na ja, es ist zwar immer was zu tun, aber irgendwie wollte ich mal wieder was produktives machen. Dazu kam, dass 2005 mein ganz persönliches "Emmenjahr" war, denn spätestens nach dem Forumstreffen und dem Treffen in Montabaur wusste ich, dass ich nicht der einzige "MZ-Verrückte" bin. Man wird ja schon manchmal belächelt, mit einer Emme. Aber wenn man dann auf einem Treffen mit Gleichgesinnten zusammenkommt, noch dazu gleich so viele, ist's wie eine große Familie. Echt, das hat was. Das gibt's mit keinem seelenlosen Jappanermopped. Also bin ich gleich nach der Arbeit mit meinem kleinen Subaru-Bus los, nachdem ich mit dem Besitzer kurzfristig einen Termin ausgemacht hatte. "Ei, haltemo gugge". Die Familie ahnte wie immer schon, was das bedeutet. Tatsächlich wurde schon vorher einiges an Infos über die ETS250 zusammengetragen. Angekommen, gut 150 Km von Zuhause weg, gab's bei der Begutachtung zunächst Zweifel. Der Chrom war rundrum schlecht, das Lenkkopflager hatte eine fühlbare Raste in der Mitte, und -ehrlich gesagt- die Probefahrt überzeugte mich auch nicht, das Ding fuhr ganz anders als (m-)eine ETZ. Nun war ich aber schon mal da, und der Preis war eigentlich ok. Ganz schwarze Gedanken kamen da auf: Kaufen, Ausschlachten und die raren ETS-Teile im I-Bäh verkaufen um das "Gespannsparschwein" zu füttern? Irgendwie sagte das traurige Stück Metall aber zu mir: "Nimm mich, reparier mich und behalt mich" (Moppeds haben eine Seele und können reden, echt, lies das hier). Also eingepackt (der Bus ging sogar noch zu) und nach Hause gefahren. Auf der Heimfahrt überlegte ich mir, was mit der Maschine geschehen soll. Auch die Familie war kritisch: "Wenn's ein Pferd wäre, würd ich's erschiessen;" "Willste die nicht gleich weiterverkaufen;" "wie kann man nur so was hässliches kaufen..."
2 Tage später fand ich endlich jemand (echt), der mir beim ausladen behilflich war, und ich machte die ersten Bilder:


Kleine Lampe, hoher Tacho, 
altes MZ-Logo auf dem Tank und "Trophy-Sport" Seitendeckel, 
Stoßdämpferhülsen hinten
=erstes ETS-Modell,
Erstzulassung in
Westdeutschland 04/1970 

 

 

 

Die Wende:
Zwischenzeitlich wurde nochmals im Internet fleißig recherchiert, was denn eigentlich an einer 250er ETS so besonders ist. Der erste Leitzordner war schon bald gefüllt. Irgendwie kam es, das ich mir sagte: Also, die baust Du wieder auf. Die kommt "On the road again". Manchmal braucht man einen "Stumpser" und der kam, spätestens als ich die Seiten von einem ETS250 Treiber las. Ich hatte nicht vor, Sie in Zustand "neu" (wie meine Solo-ETZ) zu restaurieren, sondern einfach "nur" alles (was sich nicht wehrt:-) auseinander zu schrauben, zu reinigen, polieren, verbessern, und wieder zusammenzubauen. Guter, (fast-)unrestaurierter Zustand statt Scheckheftrestauration. Sicherheitsrelevante Verschleißteile wie Reifen, Bremsen, Bowdenzüge, div. Gummiteile, Kugellager und noch so einiges mehr werden selbstverständlich durch Neuteile ersetzt. Was an Chromteilen nicht mehr zu retten ist, wird aufgearbeitet und kann dann immer noch später mal gegen Neuteile ersetzt werden. Die nächste Veterama kommt bestimmt, und Camping-Urlaub in Thüringen hab ich auch schon lange nicht mehr gemacht. "Zufälligerweise" führte mich ein verlängertes Wochenende an Rhein/Mosel zum Speichen kaufen hierhin. Wenn das Teil so aussieht, als wäre es 5- statt 35 Jahre alt, dann ist's (mir) gut genug. Obwohl: Eine ETZ-Gabel mit "richtigen" Scheibenbremsen, ein hochgezogener Carbon-Auspuff, Supermotolenker, Kellermannblinker, Doppelelipsiodlicht und ein Heckbürzelumbau mit Einzelsitzbrötchen und rückverlegte Fussrasten würden einer ETS sicher auch gut stehen. Ein Rotaxmotor müsste auch passen, immerhin hat die ETS ja einen Unterzug serienmässig. Aber so was ist, -wie ich finde-  Frevel. Eine ETS muß aufgrund der geringen noch vorhandenen Stückzahlen so original wie möglich erhalten werden/bleiben. Da ist so eine Art Verantwortung, wenn man sowas unwiederbringliches hat. Anlässlich meiner Probefahrt wurde der 10.200te Kilometer auf die Uhr gebracht. Das ist nicht viel, schließlich hat das Gespann fast das 12fache zurückgelegt. Der ETS-Motor, also auch der ES250/2 ist allerdings nicht ganz so gut im Ruf wie mein ETZ-Motor. Aber, was einwandfrei funzt, bleibt auch erstmal so wie es ist. Auseinandernehmen kann ich's immer noch, wenn's erforderlich ist.

 

 
Gut zu sehen: Beule am Kotflügel und die rostigen Speichen

  

Details:
Laut Brief ist die ETS Baujahr 1970. Damals war ein "R. Lienert" in Hamburg Importeur bevor Neckermann den Import übernahm. Neckermann steht auch nicht im original Brief. Lt. Vor-Vorbesitzer soll es aber eine Neckermann-Maschine sein. Heute lästere ich über "Baumarktchopper" und (als Vespafahrer...) "Kaufhausroller" ab, und restauriere eigentlich streng genommen selber "sowas". Das ist aber was ganz anderes, oder? Oder werden irgendwann mal die zahlreichen Chinaroller womöglich Kultobjekte?
Es handelt sich bei meiner ETS um die frühere Version, die mit der kleinen (soll angeblich von der BK350 stammen) Lampe, dem hohen Tachoring, dem "alten Tankdekor" und der länglichen Zündschlossabdeckung. Die nur bei dieser Ausführung noch vorhandenen hinteren Chromschutzhülsen sind, wie auch der restliche Chrom ziemlich fertig. Da wird auch mein geliebtes "Elsterglanz" keine Chance mehr haben, fürchte ich...
Ein Zylinder, diverses noch zu bestimmendes Sonderwerkzeug, ein Blinkerpaar, Pleuellager, div. Kugellager und ein Tankemblem gab's noch dazu.
Das Jahr 1972 trägt der Stempel der Abmeldebescheinung im Brief. Leider muss Sie nicht ganz trocken gestanden sein, oder wie auch immer, der Rost ist jedenfalls am Chrom, am Rahmen und an Aluteilen (Alu rostet nicht, es oxidiert, das ist aber eigentlich das gleiche). Mit etwas Glück erreichte ich telefonisch den Erstbesitzer. Nach all den Jahren konnte dieser sich noch an "meine" Maschine erinnern und mir einiges über ihr Vorleben erzählen. Nachdem er 2 Jahre mit der ETS unterwegs war, hätte er nach einem Unfall keine Lust mehr zum Motorradfahren gehabt. Verkauft wurde Sie dann viele Jahre später an seinen Bekannten von dem ich Sie übernahm. Nicht zu fassen: über 35 Jahre Dornröschenschlaf!

Mein Spezialwerkzeug
Mein Spezialwerkzeug.

An die Arbeit:
Glücklicher-/Zufälligerweise bekam ich eine Dose WD40 zum testen zugesandt. Die ging zur Hälfte auch "drauf". Nun konnten die ersten Teile demontiert werden. Bei der genauen Begutachtung der Teile wie z.B. Tank, Seitendeckel und sonstigen, noch gut erhaltenen Teilen, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich nicht einfach entlacke, sandstrahle und danach -mit Scheckheft in der Hand- zum Lackierer gehe, (hätte ich sowieso nicht gemacht)  sondern, aufgrund des teilweise recht guten Zustandes der Lackierung, nur saubermache, poliere, Rost entferne, und wo nötig unsichtbar drüberlackiere. Es soll eine ETS in einem guten Originalzustand werden, der man eine Restauration nicht ansehen soll. Ähnliches habe ich vor ca. 20 Jahren mit meiner NSU realisiert. Trotzdem werden die Speichen, Bremsen, Bowdenzüge und Reifen (Sicherheit!) und einige eher optische Dinge wohl gegen Neuteile ersetzt werden. Das Getriebeöl wurde abgelassen (und zum Anzünden fürs Martinsfeuer 2005 verwendet :-) und der Motor mit billigen SAE30 durchgespült. Eigentlich wollte ich Biodiesel nehmen, aber da dies schon moderne Einspritzpumpendichtungen angreift, dachte ich mir, ich lass es lieber, den sensiblen Kurbelwellendichtringen zu liebe. Ich werde mir da wohl viel Zeit bei der Restauration lassen, da ich die Solo-ETZ wohl verkaufen werde (..lt. Sozia muss/soll), wenn die ETS fertig und (ganz wichtig!) alltagstauglich ist. Nachtrag: Nix wird verkauft, solange noch Platz in der Garage ist..

Arbeit? Nein, Hobby:
Sei es das polieren der Seitendeckel, oder beim wienern des Limadeckels: Wenn so ein Teil wieder in altem Glanz (nicht in frischlackierten, wohlgemerkt) erstrahlt, wenn man beim Anblick eines einzigen verchromten Schaltergehäuses denkt "Die wird wieder schön" dann, ja dann, ist man wohl vom rostigsten Hobby der Welt befallen. Andere waschen Samstags ihre Autos und glotzen Sportschau vor ihrer Plasmaglotze, ich "mach halt so was". 

An die Arbeit:
Mittlerweile sind die ersten Teile demontiert. Jetzt, Anfang November 2005 ist es schon etwas frisch, um nach dem Abendessen eben noch mal in die Garage zu verschwinden, noch dazu ist das Licht eher schwach, da die kleine Solarzelle auf dem Dach die Batterie in dieser Jahreszeit nicht mehr voll bekommt. Also habe ich die Teile demontiert, grob gereinigt und werde den Rest im Hobby-Keller zuhause erledigen. Dann brauch ich im Frühjahr (nur welches Jahr weiß ich noch nicht) nur alles zusammenzuschrauben. Einen anderen Lenker und einen (noch nicht passenden) Gepäckträger habe ich ergattert. BTW: Ein Maguralenker war montiert. Nicht original irgendwie. Aber rein äusserlich wie Original. Genauso merkwürdig, das ich bis jetzt keine einzige Narva-Birne entdeckt habe...
Nachdem ich Kontakt mit dem Vorbesitzer aufnahm, stellte sich heraus, das mein Mopped einen neuen Rahmen hat. Dies erklärt zumindest dass die Rahmennummer hinten, im Kotflügelträger, der in Heimwerkerqualität reingedengelt wurde. Bei der Aufarbeitung habe ich 2
erprobte Möglichkeiten probiert: Der Chrombügel, der vorne den Kotflügel hält, hatte eine ca. 6cm lange Schramme, der Chrom war ab, stattdessen schaute nur noch Rost heraus. Der wurde bis aufs blanke Metall abgeschliffen (Dremel), anschließend wurde mit Lötfett und Lötwasser wieder eine ca. 2mm starke Schicht aus Fittingslötzinn "aufgebaut" die mit Schlichtfeile, ölgetränkten Schleifpapier, und Stahlwolle mit Alupolitur (in dieser Reihenfolge) wieder in Form gebracht wurde. Zum Schluss ist kaum noch was zu sehen. Beim rechten Handbremshebel fehlte an dem balligen Ende eine etwa 3 mm starke Stelle, evtl. von dem selben "Crash", bei dem die Emme wohl seitlich liegend einige Meter auf Asphalt zurückgelegt haben muss. Da der Griff aus Alu besteht, wurde hier nach dem selben Verfahren, jedoch mit "Aluweichlot" gearbeitet. Das Ergebnis ist mittelmäßig, da brauch ich noch etwas Übung, aber immerhin sieht es ein vielfaches besser aus als vorher. Die rechte Fußraste war krumm, die wurde mit viel Kraft und noch mehr Schweiß wieder geradegebogen. Alu und Chrompolitur, Stahlwolle etc. sorgen für wunderbar schwarze Finger&Nägel...
Nicht nur mit viel Glauben an die Chemie sondern mit Handarbeit entsteht neuer Glanz. Das fehlende Tankemblem wurde ersetzt. Dabei wurden starke Magnete (Eisen3Neobdyn aus div. def. Festplatten) zum temporären Fixieren verwendet. Ein anderer Lenker wird wahrscheinlich montiert werden, da ich den originalen zu unpraktisch/unbequem finde. Wenn schon der Lenker nicht original ist, dann müssen es auch die hässlichen "Brauseköpfe" (Blinker) nicht sein und evtl. können Hellalenkerendenblinker Verwendung finden. Aber mal sehen, noch ist's nicht soweit. Arbeit gibt's genug: Schrauben und Unterlegscheiben wieder neu brünieren, die zerschundene Auspuffschelle wieder mit meinem Fittingslotzinntrick auf Vordermann bringen, Lackschäden an beiden Seitendeckeln beseitigen uvm. Beide Seitendeckel wurden mehrfach mit Politur behandelt. 2000er Schleifpapier egalisiert die "ausgetupften" Flächen, Politur und Wachs erledigen den Rest. Bei den Lampentopfhaltern genauso. Mir scheint, als hätte 1970 in der DDR ein Mangel an Farbe existiert. Teilweise sind die Stellen schlecht, d.h. unheimlich dünn lackiert, bzw. wurde scheinbar keine Grundierung verwendet. Die Seitendeckel sind innen mit "Acryl, schwarz, hochglänzend" von mir lackiert worden. Außen habe ich "nur" poliert, bis es aussah wie neu. Der "Trophy-Sport" Schriftzug sollte erhalten bleiben. Acrylfarbe ist halbwegs Benzinfest. Jedenfalls wesentlich haltbarer als Sprühdosen-Nitrofarbe vom Baumarkt. Der Glanz ist allerdings etwas stumpf, aber da kann Politur nachhelfen. 2 Luftfilter hab ich bei IBÄH gezogen, und 2 Standrohre sowie einige Kleinteile von einem Forummitglied erstanden. Alle 4 Fussrastengummis sind nach einer Wäsche mit Seifenwasser und anschließender Behandlung mit Gummipflege wieder wie neu. Mein Gummipflegemittel ist Methylsalicyalat, auch (=Handelsbezeichnung) "Oil of Wintergreen" genannt. Es hält u.a. die Papierandruckrollen von meinen beiden Druckern geschmeidig (immerhin, ein Panasonic KXP4450 von 1987 der schon einige Kilo Toner "gefressen" hat) oder es entfernt Kaugummi aus Polstern, ein Universalmittel eben. Zu bekommen in Apotheken auch ohne Giftschein, es ist ein ungiftiges Esther.
Der Auspuff und der Krümmer ist ab. Durch den Auslass geschaut, stelle ich fest, das meine ETS nicht mehr neu ist. Die Ringe, und ca. 2cm unter diesen ist alles schwarz. Immerhin sind die Ringe  (mit einer Anreisnadel >vorsichtig< geprüft) beweglich. Das kann jedoch auch an dem Zweitaktölen der frühen 70ger Jahre liegen. Die Gabel ist ab, die Gleitrohre sehen aussen schlimm aus. Das ist aber nur Optik. Bei Polo gibt's Chromfolie, und schon sehen die Rohre aus wie neu. Zumindest das linke. Rechts bleibt es so, da ist's nicht so schlimm. Geschummelt, ich weiß, aber die Gabel der ETS ist ein teures Ersatzteil, wenn's überhaupt mal sowas gibt. Das Lenkkopflager werde ich mir vornehmen, zuerst fühlte ich eine deutliche "Raste" in Mittelstellung, also mal reingeschaut: Vorsichtig alles ab, ich habe keine Lust 44 Kugeln auf dem Garagenboden zu suchen. Siehe da: Keinerlei Verschleiß zu sehen, nachdem alles wieder sauber war. Das Lenkkopflager ist in Bestform. Die "Raste" in Mittelstellung wurde wohl durch Fett verursacht, welches in den 33 Jahren die Farbe, Konsistenz und Festigkeit von Lakritz erreichte. Die Gabelbrücken oben und unten wurden nur gereinigt. Der vordere Kotflügel trug Spuren einer Kaltverformung. Hier kam mein Ausbeulsatz zur Verwendung. Anschließend wurde die Farbe komplett runtergeschliffen (mit einem sogn. "Negerkeks") und mit Nitrospachtel behandelt. Das komplette Programm. Resultat: -1. Ich bin kein Karosseriebauer, auch kein meisterhafter Lackierer, und werde wohl auch niemals ein guter. -2. Acryllack, Acrylfiller gibt's nicht beim Baumarkt, muss aber sein, wenn man haltbare Farbe nehmen will. Deshalb verwende ich den hier:
www.motipdupli.com Das ETS-Rot: Motip 41550 Autolack (soll RAL3003 entsprechen). Ich hab's nur zum austupfen am Tank gebraucht. -3. Ich wollte ja eigentlich das Teil nicht restaurieren sondern soweit wie möglich in Originalzustand lassen, aber manchmal werde ich bei der Arbeit zum "Perfektionisten"...
Die Naben sind wieder glänzend, die Felgen neu eingespeicht, die Reifen waren zäh wie Leder bzw. fast spröde wie Holz. Dementsprechend waren die auch zu demontieren... Die Pneumants werde ich entsorgen, jedoch die Bremsbeläge erst mal nicht, die sind wirklich noch wie neu. Angeschliffen, und alles schön mit Kupferpaste einbalsamiert (nicht auf die Beläge, klar) und wieder zusammengebaut. Ich hatte ja schon welche aus meinem Fundus (sind die gleichen wie von der ETZ) aber da stand "EVP 5,25" drauf, also sind die auch schon etwas abgelagert. Die berüchtigte vordere Bremse mit den innenliegenden Bowdenzug habe ich ja. Bin mal gespannt, aber immerhin gibt es ja mittlerweile Teflonzüge (DDR meets West-Hightech). Das neue 6302RS Lager reinkommen sind klar. Im Abtrieb bleibt erstmal das "DKF"-Lager drinn, da das Fett hier noch keinerlei Abnutzung zeigte, es war jungfräulich gelb. Im Radlager dagegen war das Fett schon braun. 36 Jahre altes DDR Fett hat übrigens einen herben Geruch. Da kommt kein Pitralon mit. Alles auswaschen, mit Bremsenreiniger und neues Kugellagerfett rein. Die Stossdämpferpatronen hinten haben frisches ÖL in Viskosität GL30 bekommen. 75ccm. Die vorderen ebenfalls, jedoch 235ccm und etwas MOS2, welches aber bei der Materialpaarung unnötig ist. Ist ja keine Alu als Gleitpaarung wie bei der ETZ. Schaden wird es jedoch auch nicht. Der hintere Kotflügel ist ab und wird lackiert, nachdem 2 Bohrungen zugelötet wurden, welche wohl von einem Gepäckträger stammten. Der Rahmen kann lackiert werden, auch ohne das der Kabelbaum raus muss, da nur einige Stellen "auszutupfen" sind. Wenn ich den Kabelbaum drinnlasse, kann der Motor eigentlich auch drinnen bleiben. Mal sehen. Reifen, Schläuche und Felgenbänder sind neu. Gekauft bei einem
"ortsansässigen Moppedladen". Heidenau bekommt die ETS, na klar, schon aus Originalitätsgründen. Ende März kommt auch eine Lieferung Ersatzteile von Güsi. Dazu gehörte auch ein Tachoring, selbiger wurde gewechselt. Das ging recht gut, ob's dicht ist, wird die erste Regenfahrt zeigen. Meine mühsamst polierten Felgen habe ich mir etwas verkratzt beim Reifenwechsel. Dafür ging die Schwinge recht einfach raus. Lackiert, Öl (niemals Fett) gewechselt (Wie viel Öl geht eigentlich in den hohlen Schwingbolzen?) und schon fertig zum Einbau. Keinerlei Abnutzung feststellbar, noch nicht mal Rost irgendwo am Bolzen. Natürlich ging es im Winter eher schleppend voran. Eine warme, geheizte Garage/Schrauberbude, dass wäre toll! Aber so was -einigermaßen bezahlbar- zu finden ist wohl ein sechser im Lotto...
So wurde erst im Februar 2007 weitergearbeitet. Limarotor, Zündkontakte, Zündzeitpunkt kontrollieren. Die Felgen waren ja schon eingespeicht (sowas geht ja im "warmen Hobbykeller") also wurden die Räder montiert, damit die ETS auf eigenen Füssen (Rädern) steht, und die Hebebühne für eine fällige Vespa-reparatur frei wird. Als nächstes stand die Elektrik an, es wurden die Stecker alle abgeschnitten und durch neue ersetzt. Federdruck und Material ist nun "Weststandart". Bevor der Stecker gechrimpt wird (ich verwende eine richtige Chrimpzange und gute 6,3mm Flachstecker, nicht den bunten Baumarktmüll) wird die abisolierte Litze mit Polfett geschmiert. Auch beim aufschieben des Steckers kommt vorher Polfett auf die Kontakte. Der mechanische Regler bleibt drin, höchstens wird eine Freilaufdiode statt dem Rückstromschalter Verwendung finden. Zumindest bis zum ersten ernsthaften Defekt. Bis jetzt habe ich nix am Motor gemacht. Außer sauber gemacht, neues Öl und den Zylinder runter, um die Dichtungen zu wechseln und die Kolbenringnut zu begutachten, bzw. zu reinigen. Er läuft, hat keinerlei mechanische unschöne Geräusche. Also bleibt er erst mal zu. Die berüchtigten Schwachpunkte wie: Schalthebelfeder, Schaltrastenfeder und Simmerringe gehen noch früh genug kaputt.

Fertig?:
April 2007 ist es soweit. Irgendwann stellt man resigniert fest, dass es nichts mehr zu machen gibt. Dann kommt frisches Benzin in den Tank und es kann losgehen. Ein schöner Moment immer wieder, sein Restaurationsobjekt zum Leben zu erwecken. Dieser Moment "hat was".
Erste zaghafte Proberunden, dann der TÜV-Termin: Ohne Mängel. Deckungskarte, Zulassung, und schon kann's losgehen. Natürlich geht die erste Fahrt zu den Papageienbikern auf dem Feldberg. Ich fahre immer nach einer Restauration dort hoch, weil ich notfalls von dort auch (fast) ohne Motorkraft (falls "was sein sollte") heimrollen kann. Wenn ich erst mal diese Strecke geschafft habe, kann ich mich immer noch sicherheitshalber in konzentrischen Kreisen rund um die heimische Garage bewegen. Offensichtlich ist diese Art der Vorsichtigkeit nicht unbegründet: Leichte Zündaussetzer, später Fehlzündungen, und auf dem Heimweg geht Sie aus und springt erst nach Abkühlung wieder an. Na ja, das sind Kleinigkeiten, wäre ja auch schlimm, wenn's nix mehr zu schrauben gäbe. 

fertig

A Bikers work is never done:
Erste Diagnose: Die Zündzeitpunktverstellmechanik ist nicht in Ordnung, klemmt, und die Grundplatte ist verzogen. Eine Feder ist außerdem ausgehängt. Nachdem alles in Ordnung ist, läuft Sie besser, aber noch nicht 100% irgendwie. Evtl. lege ich die ganze Mimik tot. Interessant: Meine heißgeliebten Iridiumkerzen mag Sie nicht. Der lenkerstellungsabhänige Leerlauf nervt. Ich habe den Bowdenzug unter dem Tank hervorgeholt und "freischwebend" verlegt. Nun ist's besser, aber auch nicht perfekt. Ob ich deshalb ein 30N2-5 BVF Vergaser o.ä. montiere weiß ich noch nicht, jedenfalls bin ich auf der Frühjahrs-Veterama 2007 nicht fündig geworden. Auch die Sitzposition und der schmale Lenker ist nicht gerade "entspannt". In meiner Verzweiflung bei der Suche nach den rätselhaften Zündaussetzen habe ich eine 12Volt Zündspule nebst 12Volt Akku an den Unterbrecherkontakt angeschlossen und so den Motor probelaufengelassen. Siehe da: Alles bestens. Nachdem ich vorher schon div. Kerzen, Spulen und Kondensatoren ausgewechselt hatte blieb nur der Kerzenstecker als Übeltäter. Genau der. So was hatte ich noch nicht erlebt, dass ein nicht entstörter Kerzenstecker solche Probleme macht. Mit dem an meiner 12Volt Spule montierten NGK-Kerzenstecker mit eingebauten 5 Kiloohm-Widerstand waren die Probleme weg. Seitdem läuft die Maschine und hat nach 4 Wochen immerhin schon über 1000 pannenfreie Kilometer abgespult. 

Verbesserungen:
Der Rückstromschalter ist durch eine Leistungsschottkydiode überbrückt, jedoch habe ich die Kontaktfahnen selbst nicht weggebogen, sondern er ist noch in Funktion, da er aber fast nix mehr zu schalten hat, hält er nun (hoffentlich) ewig. Angeklemmt zwischen 51 und 61 Kathode ("der Strich" an 51). Auch die Spule für den Rückstromschalter ist aktiv, da ich sonst den Regler neu justieren müsste da ein Magnetfeld im Regler wegfällt, und somit der magnetische Fluß des "3Stufenschalters" beeinflusst wird.

In einer Zeitgenössischen Werbung hieß es mal "...für Männer, die fahren können." Irgendwie muss ich mich an das Mopped noch gewöhnen.

BILDER der Restauration

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