Mein Schnäppchen von neulich:

CZ 453. Keine Jawa.

Ich habe die sterblichen Überreste einer Jawa/CZ/Neckermann 453 gekauft.

Eine Jawa wollte ich schon lange. Wenn man viel mit MZ unterwegs ist, kommt man (auf div. Treffen) an  Jawa nicht vorbei. CZ sind noch seltener anzutreffen. Am liebsten wäre mir eine 350er Perak oder Panelka gewesen. Eine 250er oder ggf. 175er wäre auch noch in näheren Auswahl gewesen. Aber dann "lief" mir die hier für kleines Geld übern Weg:


Angerufen, Hingefahrn, gesehen, Schwätzchen, eingeladen.


Ausgeladen. Eine CZ453.
Historie: Neckermann macht's möglich. Im Versandhauskatalog fanden sich Anfang der 60er Jahre nicht nur MZ's und Capriroller. Auch CZ's wurden dort angeboten. Zwischenzeitlich hatte sich die Verbindung Jawa/CZ gelöst und die CZ453 ist eine der ersten eigenständigen CZ's. Gegenüber dem "Schwestermodell", der Jawa 355, gibt es minimale Änderungen: Anderer Sattel, Einportauspuff und Rohrrahmen statt Vierkantblech. Etwas mehr Leistung durfte es dann auch sein. Einport und Vierkantrahmen sind die typischen Erkennungsmerkmale einer CZ gegenüber der Jawa. Die Neckermännischen CZ's wurden als 125er, 175 und als 250 angeboten. Alle waren übrigens weiß und nicht in Jawatypischen rot lackiert.

Hobby:

Dieses Häufchen Rost kam aus dem Tank. Da ist mindestens eine Tanksanierung fällig. Der Rahmen ist etwas außer der Mitte, sämtliche Blechverkleidungen sind verbeult, die Seitentaschen sind so verzogen, dass Sie nicht mehr schließen, der Motor ist unten an der Trennfuge fingerdick mit Silicon abgedichtet, der vordere Kotflügel ist samt Halter total verbeult als wäre mal ein Auto drüber gefahren, die Chromteile sind Rostbraun, incl. die Tankseitenteile, die Reifen sind brüchig und spröde. Sitzbank, Tankdeckel, Sitzbankträger u.v.m. fehlt, sämtliche Bowdenzüge sind nicht mehr zu gebrauchen, irgendjemand hat die Deckel der Seitentaschen mit einer Dremel versucht zu entlacken und schöne, tiefe Furchen im Blech hinterlassen, der Schalldämpfer ist geschweißt worden, die Fußrasten sind krumm und der Gummi ist teilweise zerbröselt, dafür glänzen die Soziusrasten durch Abwesenheit, der linke hintere Stoßdämpfer klemmt weil die Dämpferkolbenstange verzogen ist, die Achse des Hauptständers hat eine Wurfpassung sodass die ganze Maschine sehr wackelig auf selbigen steht. Ein Stoßdämpferanschluß muß geschweisst werden, genauso wie der Rücklichhalter. Im Kabelbaum zähle ich etliche geflickte und brüchige Kabel die insgesamt einen neuaufbau erforderlich machen. Eine Patinarestauration sieht anders aus....

 

Überlegungen..
Lohnt sich den eine Restauration in diesem eher schwierigen Fall? Warum nur macht man das für eine 125er Jawa-CZ die in den späten 60er Jahren schon kein Mensch mehr haben wollte? Noch kann ich das ganze Projekt stoppen und als "Teilekonvolut" mit schönen Worten garniert in der Bucht verkaufen. "Ob der Motor läuft kann ich nicht sagen", "wenige Teile dürften fehlen", "die Funktion hab ich nicht prüfen können", "der Tank müsste vielleicht mal gereinigt werden" und wie auch immer sich die "Zeitgenossen" dort in den Texten meistens rausreden.
Ein finanzielles Desaster wird es sowieso. Vielleicht jetzt erst recht? Vielleicht weil das Teil schon einen Namen hat (weisse Maus-
biele myši)? Nicht rational zu klären sowas.

Rahmenrichtung:
Als erstes muß der Rahmen gerichtet werden. Das Lenkrohr steht, von vorne betrachtet auf 13:00Uhr. So stark, das es auch ohne Wasserwaage sehr gut zu sehen ist. Es gibt div. Firmen die so etwas gerade machen können. Da ich aber -wie immer eigentlich- nur ein schmales Budget habe, mach ich das selber. Wasserwaage statt 3D. Schnur statt Laservermessung. Ein Stapler hilft mir dabei, daß obere Rahmenrohr wieder in seine alte Form zu biegen, so dass der Lenkkopf nun auch wieder gerade steht. Mein Kleinwagen war zu leicht gewesen, der Stapler wiegt über 5Tonnen. Ich bin schon ein wenig stolz, das ich in meiner kleinen Hobbygarage solche Kleinigkeiten autark machen kann.


Mit Wasserwaage wurde mehrmals kontroliert ob auch wirklich was passiert. Langsam, Milimeterweise bog sich der Rahmen wieder zurück. Der Stapler mußte mehrmals "ran".

Es geht los:
Alles, was sich nicht wehrt, wird abgeschraubt. Was sich wehrt, wird abgeflext. Etliche festgerostete Schrauben natürlich. Zum Glück keine erhaltenswerten "ESKA-Originalschrauben". Dafür aber recht seltene Schlitzschrauben teilweise in Halbrundausführung. Im Zeitalter der Akkuschrauber sind Kreuzschlitz-, Torx- und Sechskantschrauben Standart. Zumindest im Baumarkt. Zum Glück gibts aber noch Schraubenläden.


Ausgebeint:
Hier erstmal Stopp und Bestandsaufnahme was noch alles fehlt.


Was nicht fehlt, ist wenigstens verschlissen. Es wird eine größere Liste als geplant. Einiges findet sich in der Bucht, aber nicht alles.

 


Tank wird wieder dicht:
Mit Zinn und 0,8er Messingblech werden die rostigen Stellen wieder zugezinnt:


Da wo nix mehr ist, wird Messingblech drüber gelötet. Den Rest macht die Chemie, bzw. eine 2K Tankversiegelung.

Kotflügel:
Mit einem Wagenheber wird der gequetschte Kotflügel auseinandergedrückt und mit einem Ausbeulsatz halbwegs wieder in Form gebracht. Probeweise werden die Federbeine montiert um zu schauen ob auch alles passt:

Erste Erkenntnisse:
Diese Restauration geht an meine Fähigkeiten und mein finanzielles Budget. Kein Teil, was nicht angefasst werden muß. Noch nie habe ich ein Motorrad mit einer solchen schlechten Basis restauriert. Alles neukaufen, alles strahlen, pulvern, verchromen, linieren lassen etc. ist nicht mein Ding. Die CZ wird nicht in "besser wie neu" dastehen wenn ich fertig bin.
Und das ist auch gut so, denn ich habe den Anspruch alles autark und selber zu machen. Da muß man auch mal Kompromisse machen.
Zweite Erkenntnisse:
Da ich akribisch über jedes Teil, was ich für die Restauration brauch, exakt Buch führe, weiß ich immer auf den Cent genau, wieviel ich investiert habe. Ernüchterung: Klar hätte ich für eine Jawa/CZ in besseren Zustand insgesamt weniger bezahlt. Aber das ist mit Vernunft nicht zu erklären. Warum auch?
Was noch dazu kommt, ist daß 125er Moppeds keiner haben will. Gut zu erkennen an dem Preisgefüge der 125-175-250er Maschinen. Aber das war ja die Herausforderung: Ein Mopped neu auf die Straße zu bringen, was in den 60er Jahren schon keiner mehr haben wollte.
Noch lange nicht fertig:
Der Sommer war nass. Viel Zeit also, um in der Werkstatt gutes zu tun. Es wurde gedengelt, gespachtelt, grundiert, gefillert, geschliffen und wieder (mehrfach) von vorn angefangen. Ein paar Ersatzteile die noch fehlten aus der Bucht gefischt, einiges neu gekauft. Ich entschied mich (wiedermal) für ein Sprühdosenlackierung mit Produkten der Fa. Motip. Etwas schwierig war der Farbton zu bestimmen, seinerzeit von Neckermann als "alabaster" bezeichnet kam heutzutage "Altweiss" der Sache am nächsten.
Stück für Stück:

Das erste Teil:
Die Lampenverkleidung; ein Teil was die Jawa erst zur Jawa macht, und zur CZ erst recht:

       

Erstes Roll Out:
Mal kurz die bereits lackierten Teile zusammengesteckt und ans Tageslicht geschoben zwecks Fototermin:

 

Hochzeit:
Der Teilchenbeschleuniger ist auch schon drin:

Es geht weiter:
Stück für Stück. Verkleidungsteile, die Werkzeugtaschen und vieles mehr. Aber vieles passt irgendwie nicht mehr. Ob es an der Gabelstaplerrahmenrichtung lag?

Fototermin:

 
Natürlich ist dies noch nicht die Zulassung. Nur um mal zu gucken wie wenig Platz zwischen Rücklicht und Reflektor ist. Ne 125er bekommt ja sowieso "ein kleines."

Ein toller Augenblick::
Immer wieder schön, ein "neugemachten" Motor zum Leben zu erwecken: https://www.youtube.com/watch?v=8yCPcEqZyVY

 

Ein paar Links:

 

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Fichtl krámek          
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JawaShop.com - Spare parts for Jawa and CZ
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Motorky.Bazos.cz - Motoinzerce, motobazar
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